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Einige aktuelle Fakten zu Tihange -

Laufzeitverlängerung für lecken Atomreaktor Tihange1 

Am 4. Juli 2012 hat die belgische Regierung entgegen ihrer eigenen Gesetzgebung  die Laufzeit von Tihange 1 um 10 Jahre verlängert. Der Reaktor soll damit also nicht wie geplant in 2015 sondern erst im Jahr 2025 vom Netz gehen. Wenige Tage später wurde am 12. Juli durch die belgische Presse bekannt, dass Tihange 1 ein Leck hat. Aus dem Reaktor treten täglich rund 2 Liter radioaktiv kontaminiertes Wasser aus.
Im Jahr 2003 hat die belgische Regierung ein Ausstiegsgesetz verabschiedet. Dieses Gesetz verbietet den Neubau von Atomkraftwerken. Die Laufzeit der bestehenden Reaktoren wird dort auf 40 Jahre beschränkt. Diesem Gesetz zu Folge hätten die ältesten drei der sieben belgischen Reaktoren im Jahr 2015 vom Netz gehen müssen.

Die belgische Regierung hat nun die Laufzeit von Tihange 1 um 10 Jahre verlängert.Begründet wird dieser Schritt mit einer Versorgungslücke und möglichen Stromausfällen in den kalten Wintermonaten. Erstaunlich ist nur, dass Electrabel seit der ersten Jahreshälfte sukzessive konventionelle Kraftwerkkapazitäten stilllegt und so eine künstliche Stromverknappung provoziert. Der Verdacht liegt auf der Hand, dass Electrabel so ihre lukrativen Atommeiler retten will.

Am Standort Tihange befinden sich drei Atomkraftwerke. Tihange 1, Tihange 2 und 3. Tihange  liegt nur 62 km von der deutschen Grenze entfernt in Hauptwindrichtung. Der Atomkomplex liegt in der immer noch aktiven Erdbebenzone "Faille du midi", dem erdbebengefährdetsten Gebiet ganz Belgiens, es ist trotzdem auf keine stärkeren Erdbeben ausgelegt.  Das letzte starke Erdbeben gab es hier in 1992.

Kurz nach dem Beschluss, die Laufzeit von Tihange 1 vom Jahr 2015 um zehn Jahre bis 2025 zu verlängern, wurde im Juli 2012 bekannt, dass das Abklingbecken von Tihange 1 pro Tag etwa 2 Liter radioaktiven Wassers verliert. Das Problem besteht seit 2005; es konnte bisher nicht beseitigt werden. Das Problem ist dem Betreiber Electrabel seit 2006 bekannt, doch konnte das Leck weder geortet noch geschlossen werden. Die belgischen Grünen verlangen derzeit eine stichhaltige Begründung dafür, weshalb dieses Leck bei den nach Fukushima auch in Belgien erfolgten Stresstests nicht thematisiert wurde.

Geplante Wiederinbetriebnahme des maroden Meilers Tihange 2

Im Sommer 2012 war der Reaktor Tihange 2 abgeschaltet worden, weil man 2000 Risse im Reaktorbehälter der Atomanlage gefunden hatte, die im Juli 2012 der Öffentlichkeit bekannt wurden.  Der Energiekonzern Electrabel hat nun die Resultate seiner Überprüfung vorgestellt. Offenbar hält der Konzern die zahlreichen Risse für unbedenklich, da sie vermutlich nicht betriebsbedingt entstanden seien, und ist der Meinung, dass der Reaktor Tihange 2 also im ersten Quartal 2013 wieder ans Netz gehen kann (ebenso wie Doel 3)

Es liegt nun an der FANC (Atomaufsichtsbehörde Belgien) der Föderalregierung die weiteren Schritte vorzuschlagen.

Zur FANC:
  • Neuer Chef der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC ist seit Januar 2013 Jan Bens. Seine Behörde entscheidet, ob die derzeit wegen Mängeln abgeschalteten Kernkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 wieder ans Netz dürfen.
  • Jan Bens war übrigens Ingenieur des ebenfalls maroden und derzeit stillgelegten Atomkraftwerks Doel 3 während dessen Bauzeit.
  • Ab 2004 war Jan Bens Direktor von Doel 3, welches etwa zeitgleich mit Tihange 2 wegen Mängeln stillgelegt wurde.
  • Später war Bens für mehrere Jahre fest angestellt bei der WANO (World Association of Nuclear Operators), also der weltweiten Atomlobby, und vertrat dort die Interessen der Atomkraftbetreiber.
  • Seit dem 01.01.2013 ist Bens Leiter der Atomaufsichtsbehörde FANC.

Im März 2013 erhält die Presse von Bens zum Zustand und der Wiederinbetriebnahme von Tihange 2 und Doel 3 nur ausweichende Antworten: „Das ist eine politische Frage. Dafür bin ich nicht zuständig, die müssen Sie schon der Politik stellen.“

Aus der Antwort der Bundesregierung vom 03. 12. 2012 auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, Bettina Herlitzius, Oliver Krischer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/11483 –

Seitens der deutschen Regierung besteht mit Belgien kein bilaterales Abkommen zur Zusammenarbeit im Bereich der nuklearen Sicherheit, das eine Expertenkommission vorsähe.

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, ob die Genehmigung von Tihange 1 befristet war oder sie durch eine nachträgliche Änderung befristet wurde?

Der Bundesregierung liegen darüber keine Erkenntnisse vor. Alle Formen der Genehmigung obliegen allein den innerstaatlichen Aufsichts- und Genehmigungsbehörden.